Braid: Herrscher über die Zeit
// 11. April 2009 // Reviews
Eine Zeitrückspul-Funktion wie bei “Braid” – im echten Leben wäre das schon was Feines. Wir könnten das Spiel kaufen, runterladen, installieren, spielen und anschließend die ganze Transaktion rückgängig machen. Andererseits: Für solch ein geniales Game gibt man gerne mal ein paar Euro aus. Seit Freitag ist “Braid”, das auf der Xbox 360 schon für Furore gesorgt hat, für PC erhältlich – inklusive Demo.
Endlich, endlich ist es da! Lange haben wir auf die PC-Version von “Braid” gewartet. Auf Xbox Live Arcade gibt es das Indie-Game von Jonathan Blow immerhin schon seit dem 6. August 2008 – es hat sich dort, bei Gamern und Kritikern gleichermaßen, zu einem der beliebtesten Spiele entwickelt. Auf den ersten Blick sieht “Braid” wie ein herkömmliches Jump’n'Run-Game aus, mit Super-Mario-artigen Plattformen, putzigen Monstern und einem rundlichen Rotschopf als Hauptdarsteller.
Tim, so heißt der kleine Racker, will eine Prinzessin befreien, die von einem “schrecklichen und bösen” Drachen entführt wurde. Hier endet aber auch schon das Klischee. Denn Tim kann die vielen Rätsel auf seinem Weg nur lösen, indem er die Zeit manipuliert. Das ist doch nix Neues, möchte man einwenden, schließlich wird auch in Spielen wie “Timeshift” oder “Prince of Persia: Sands of Time” heftig an der Uhr gedreht. Doch in “Braid” geht die Manipulation weit über das reine Zurückspulen und Wiederablaufenlassen hinaus. In der Welt “Time and Mystery” zum Beispiel sind einige Objekte vom Zurückspulen ausgenommen. In “Time and Place” läuft die Zeit vorwärts oder rückwärts, je nachdem, ob sich Tim nach rechts oder links bewegt. Und in “Hesitance” kann unser Held die Zeit in seiner unmittelbaren Umgebung mit Hilfe eines Ringes verlangsamen. Ganz schön verspult.
So verzwickt die Zeit-Rätsel in “Braid” sind, so undurchsichtig ist auch die Handlung. Scheint das Ziel anfangs noch klar, tauchen nach und nach immer mehr Fragen auf: Will die Prinzessin überhaupt gerettet werden? Ist Tim vielleicht nur ein Stalker? Existiert die holde Angebetete am Ende nur in seiner kranken Phantasie? Vielleicht können die Puzzle-Teile, die Tim unterwegs aufsammelt, zur Lösung des Rätsels beitragen. Das Spiel bereitet uns eine Menge Kopfzerbrechen. Wir zermartern uns aber bereitwillig das Hirn, denn Jonathan Blow hat mit “Braid” ein wahres Kunstwerk geschaffen – Gameplay, Grafik und Sound machen es zu einem unvergesslichen Spielerlebnis.
Die PC-Version von “Braid” gibt es u.a. auf Steam (12,99 Euro).
Demo auf Gamersgate
Website zum Spiel



