Das Bourne-Komplott: Auf eigene Faust
// 10. Juli 2008 // Reviews
Ex-Geheimagent Jason Bourne hat’s schwer: Die CIA will Bourne beseitigen, weil er einen Auftragsmord in den Sand gesetzt hat. Zu allem Überfluss kann sich der Ex-Killer nur bruchstückhaft an seine Vergangenheit erinnern; verlassen kann er sich nur auf seine antrainierten Kampfkünste. Die Bourne-Trilogie lockte Millionen Zuschauer in die Kinos, Hollywood-Star Matt Damon brillierte als “schmutzige” Version von James Bond. Nun endlich gibt es den Agenten auch als Konsolen-Figur für Xbox 360 und Playstation 3. Ob “Das Bourne-Komplott” den Filmen gerecht wird? Wir haben das Spiel getestet.
Auf hoher See treibt ein lebloser Körper in den regengepeitschten Fluten. Der Mann ist schwer verwundet, in seinem Rücken stecken mehrere Kugeln. Flashback! CIA-Agent Jason Bourne wartet in einem Hotelzimmer in Marseille auf seinen Auftrag. Bourne soll den afrikanischen Ex-Diktator Wombosi ermorden, dessen Yacht im Hafen vor Anker liegt. Die CIA will Wombosi tot sehen, weil der offenbar zu viel über die Machenschaften des Geheimdienstes in Afrika weiß. Bourne ist in diesem Plan das Werkzeug, ein eiskalter Killer mit beeindruckenden Kampfkünsten. Und doch wird er zwei Tage später bewusstlos im Meer treiben … ohne Erinnerungen an die Vergangenheit.
“Das Bourne-Komplott” basiert auf der Handlung des ersten Films “Die Bourne Identität”. Matt Damons Abbild durfte Sierra für das Spiel nicht verwenden, stattdessen verpasste man dem Held ein kerniges Durchschnitts-Action-Gesicht. Grafik (Unreal Engine) und Sound-Kulisse (DJ Paul Oakenfold) beeindrucken vom ersten Augenblick an.
Schnell wird der Spieler in handfeste Action verwickelt und prügelt sich durch Heerscharen von Gegnern. Im Nahkampf-Modus setzt Bourne gekonnt Hiebe und Tritte gegen Kinnladen und Magengruben. Mit jeder gelungenen Aktion steigt sein Adrenalinspiegel, was ihm ab einem bestimmten Hormon-Level spektakuläre Takedowns ermöglicht: Wie ein Berserker schleudert Bourne dann seine Gegner gegen Wände, Schränke und Spiegel – jeder Chirurg hätte danach eine Menge zu tun. Selten wurden Computerspiel-Schlägereien besser inszeniert als in “Das Bourne-Komplott”. War schon der Film für seine deftige Action bekannt, setzt das Spiel noch einen drauf – nämlich voll auf die Zwölf. Definitiv nichts für Friedensaktivisten.
Seelenloses Werkzeug
So prügelt und schießt man sich denn durch Hafendocks, Lagerhallen und Schiffsbäuche, während die Gegner immer zahlreicher werden. Ständig lauert irgendwo Gefahr, die Bourne mit seinem Agenten-Instinkt – im Spiel ist das eine Art Radarschirm – zum Glück schnell erkennt. Über weite Strecken fühlt man sich tatsächlich wie ein seelenloses Werkzeug. Das liegt nicht nur an den spärlichen Informationen, die Bourne über Funk von seinem Auftraggeber CIA erhält, sondern auch an dem äußerst linearen Level-Aufbau: Obwohl unser Agent ein wahrer Modell-Athlet ist, gelingt es ihm beispielsweise nicht, über ein kniehohes Mäuerchen zu springen. Grund: Dieser Weg ist in der Spielhandlung nicht vorgesehen. Kein Umweg, kein Versteck soll den Spieler aus der atemlosen Hetzjagd herausreißen. Die Zwischensequenzen, die in vergleichbaren Spielen oft breiten Raum einnehmen, wurden bewusst kurz gehalten.
Tatsächlich funktioniert dieses Atemlos-Prinzip zunächst ganz gut. Bereitwillig lässt man sich in den Action-Strudel hineinsaugen. Nach der x-ten Prügelei kommt dann aber doch der Wunsch nach etwas mehr Handlungstiefe auf. Permanente Action führt irgendwann zur Übersättigung; selbst Adrenalin-Booster wie die TV-Serie “24″ baut hin und wieder Verschnaufpausen ein. Weitere Schwächen offenbart das Spiel in der Steuerung: Die Schulterperspektive erweist sich in den zahlreichen Schießereien als träge und unpräzise. Auch das In-Deckung-Gehen hinter Wänden und Kisten ist nicht sehr intuitiv geraten. Ein wahres Fiasko erlebt der Spieler, wenn er bei einer Verfolgungsjagd einen Mini Cooper durch Paris steuern muss. Zum Glück ist dieser Spielabschnitt recht kurz.
Fazit: Eine starke Lizenz im Rücken garantiert noch kein gutes Computerspiel. Grafik und Sound stimmen, die Prügeleien lassen’s krachen – richtig fesseln kann die Handlung aber zu keinem Zeitpunkt. Kaufempfehlung nur für eingefleischte Action-Fans mit hoher Monotonie-Resistenz.



