Games-Klassiker: Worms – das Prinzip Schadenfreude
// 10. April 2009 // Klassiker
Politiker fordern ein Verbot von Killerspielen. Dann aber bitte auch “Worms”, liebe Zensoren! Die putzigen Würmer im Schotten- und Afro-Look sind brutale Söldner ohne Gnade – und verderben seit 1994 unsere Jugend. So auch den Autor dieses Artikels, der den Kampf-Kriechern hier, in Folge 1 unserer Reihe “Games-Klassiker”, ein Denkmal setzt.
“Komm-in-die-Gänge!!” Ein gellendes Stimmchen erinnert mich daran, dass die Zeit erbarmungslos heruntertickt. Wenn ich den Gegner jetzt nicht ausschalte, bin ich dran. Meine Armee steht nah am Wasser, viel zu nah, wie ich mit Schrecken feststelle. Ein indischer Atomtest, und die Sache ist aus. Ich sehe die Szene schon vor meinem inneren Auge: Der Wasserpegel steigt, verschluckt kleine Inseln und überschwemmt die Niederungen, auf denen meine Soldaten stehen. Einer nach dem anderen verschwindet in der schwappenden Giftbrühe … das darf nicht sein!
Hektisch zappe ich durch mein Waffenarsenal und überlege, wie ich meinen Gegner im letzten Moment noch stoppen kann. Bananenbombe? Da geh’ ich mit drauf. Wahnsinnsrinder? Die schaffen es nicht bis auf den Berg. Heilige Handgranate? Ja, heilige Handgranate! Mit einem schmetternden “Hallelujah!” ziehe ich die Bombe hervor und werfe sie in hohem Bogen Richtung Feind. 3-2-1-0-wumm! Die Explosion reißt ein gigantisches Loch, die Druckwelle schleudert meinen Gegenspieler in die Fluten, wo er kläglich versinkt. Sieg!
Gemessen am Waffenarsenal gehört “Worms World Party” ganz eindeutig zu den “Killerspielen”. Dass es trotzdem nie auf den Index jugendgefährdender Elektronik-Erzeugnisse landete, hängt wohl damit zusammen, dass hier nicht Menschen, sondern putzige Würmer das Zeitliche segnen. Sie werden zerbombt, erschossen, vergiftet und ertränkt – und kein bayerischer Innenminister kommt ihnen zu Hilfe. Wäre auch zu schade, denn “Worms” ist Partyspaß pur. Jeder Spieler schickt einen bis an die Zähne bewaffneten Wurm-Trupp in eine zweidimensionale Kampfarena. Ziel ist, sämtlichen Kriechern des Gegners den Garaus zu machen. Pro Runde hat jeder Spieler die Möglichkeit, eine Aktion zu starten: Bazooka, Briefbombe, alte Oma, Maulwurfgeschwader und viele andere, völlig durchgeknallte Waffen stehen zur Auswahl.
Doch Vorsicht! Nur die genaue Dosierung verhindert unberechenbare Kettenreaktionen, die Freund und Feind gemeinsam ins Verderben reißen können. Das Bomben-Schaf, das zu früh explodiert, oder der Wind, der einen Bombenteppich auf die eigenen Würmer weht: Über Sieg und Niederlage entscheiden oft nur Zentimeter.
Was “Worms” zu einem echten Klassiker macht, ist die perfekte Mischung aus Geschicklichkeit und Strategie. Nahezu alles an diesem Spiel ist frei einstellbar: Rundendauer, Waffen, Durchschlagskraft und auch die Frequenz, mit der Nachschub-Kisten vom Himmel regnen. “Worms” ist ein knallharter Kampf um Ressourcen: Wer den Betonesel besitzt, kann das Spiel auf einen Schlag entscheiden. Verzweifelt versuchen die Kontrahenten, in ihrer runtertickenden Rundenzeit möglichst viele Kisten zu erhaschen; sie schwingen sich dafür mit Ninja-Seilen über Abgründe und fliegen mit Raketenrucksäcken zu den entferntesten Gipfeln des Spielareals, um beispielsweise eine tödliche Ming-Vase einzusacken.
Die gegenseitigen Bombardements machen aus den knallbunten Levels unberechenbare Schweizer Käse, durch deren Löcher ein kleiner Wurm schnell mal in die Fluten stürzt. Was dann natürlich für Begeisterung beim gegnerischen Team sorgt. Die kleinen Racker haben eine Menge fieser Sprüche auf Lager, mit denen sie das Ableben ihrer Kriech-Kollegen hämisch kommentieren. In “Worms” reagiert das Prinzip Schadenfreude – und alle haben ihren Spaß.
Website des Herstellers “Team 17″



