Tonight! We game in hell!!!
// 23. Mai 2009 // Allgemeines
Bei einer meiner allmorgendlichen Lustwandeleien durch den deutschen Zeitungswald stieß ich kürzlich auf die Zuschreibung “flirrend heiter”. Ich dachte ein Hackepeterbrötchen lang darüber nach, was dies wohl zu bedeuten habe.
Angestrengt kauend, ließ ich mein ganzes Leben an mir vorüberziehen und filterte es auf Momente, in denen ich möglicherweise einmal “flirrend heiter” gewesen war. Nüscht. Betreten betrachtete ich die Hackepeterüberreste auf meinem Frühstücksteller. Plötzlich kam mir eine Idee: “Flirrend heiter” ließ sich wohl am besten negativ definieren! Hastig suchte ich nach Situationen, die mich hatten das Konträre fühlen lassen. Heureka – da war etwas! Das Gefühl flirrender Unheiterkeit hatte mich just am Vorabend beschlichen, als ich mir den Trailer zu Gamer reingezogen hatte.
“This looks stupider than an Uwe Boll film.” Eigentlich könnte ich das Posting auch mit diesem Zitat eines Kotaku-Lesers beenden. Dann wäre zwar das Wesentliche gesagt, der eine oder andere Leser würde aber doch protestieren, weil “Gamer” ja eigentlich “Potenzial” hat, wie Klinsmann sagen würde, wenn er noch die Bayern trainieren würde: Sparta-Sixpack Gerard Butler in der Hauptrolle, Michael C. “Isch mach disch Messer” Hall als sein Widersacher, das Ganze unter der cranken Regie von Mark Neveldine und Brian Taylor. Ein Sci-Fi-Knaller über moderne Gladiatoren – das müsste doch zumindest für einen genüsslichen Popcorn-Abend gut sein. Der Trailer lässt aber nichts Gutes erahnen. Warum, bei allen heulenden und jaulenden Höllenhunden, müssen Neveldine/Taylor der Gladiatoren-Story noch einen Computerspiel-Dreh geben? Warum muss Butler, der als Sträfling in einer perversen Game-Show um seine Begnadigung kämpft, auch noch von einem jugendlichen Spieler ferngesteuert werden?
Fiktiver Dialog zwischen Produzent und Regisseuren. Produzent: “Ey Jungs, könnt Ihr nicht mal ‘n Film über Computerspiele machen? Die Jugend von heute steht doch voll auf so was.” Regisseure: “Prima, das machen wir. So was wie Tron?” Produzent: “Nee, das muss mehr krachen. So ne Mischung aus Matrix, Running Man und Battle Royale. Wir nennen den Film einfach “Gamer”, damit sich die ganzen Gamer angesprochen fühlen. Okay?” Regisseure: “Ja, aber nur, wenn wir den Butler kriegen. Der Statham nervt uns langsam.” Produzent: “Okay, wenn’s sein muss. Aber den Dings nehmen wir auch noch mit rein, diesen Lerman, der hat in Hoot auch so tapfer für eine Eulen-Population gekämpft.” Regisseure: “Okay. Aber wen spielt der?” Produzent: “Den Gamer halt. Butler ist seine Marionette. Ihr wisst schon: Freier Wille, Identität, Gewalt.” Regisseure: “Cool, klingt philosophisch. Hatten wir mal im Skript-Kurs an der Uni.”
Ich bin mir sicher, “Gamer” wird ein herrlich kontroverser Film. Mit flirrender Action.



