Games-Klassiker: Minesweeper – Zeitverschwendung für Zeitverschwender

// 26. April 2009 // Klassiker

MinesweeperSeit nunmehr 17 Jahren können Langweiler und Versager ihr Leben komplett den Bach runter gehen lassen. Dank Microsoft, das ein furchtbares Koma-Daddel-Programm in sein Betriebssystem geschleust hat: Minesweeper. Die armseligsten Minenräumer blamieren sich auf der bemitleidenswertesten Bestenliste der Welt – und um die ganze Sinnlosigkeit noch dick zu unterstreichen, gibt es einen Cheat oben drauf, der das “Spiel” in sich selbst auflöst.

Es gibt tatsächlich ein paar Dinge in meinem Leben, auf die ich, Lord Osis, stolz bin. Ich habe zum Beispiel das Glück, viele meiner Hobbys in meinen Beruf einfließen lassen zu können. Außerdem schlage ich mich in den meisten Ballsportarten ganz gut. Ganz nebenbei habe ich noch einen Lieblingsmenschen gefunden, mit dem ich alt werden möchte. Und ich schaffe Minesweeper im Beginner-Modus in sechs Sekunden.

Auf ein paar Sachen bin ich dagegen ganz und gar nicht stolz. Einmal habe ich den Lautstärkeregler des Autoradios mit dem Lenkrad verwechselt und so Papas Karre im Straßengraben geparkt. Der Sound war trotzdem gut. Und ich habe mein Chemie-Abitur vergeigt, so schlecht wie kein anderer. Auf einer Party war ich einmal so betrunken, dass ich in der vierten Etage vom Balkon gereihert habe. Und ich schaffe Minesweeper in sechs Sekunden.

Bei Minesweeper – der Name verrät es schon – räumt man Minen. Nicht in den Krisengebieten der Welt, wo Angst und Schrecken herrscht, sondern in Microsoft Windows, auf einem harmlosen Pixelfeld, Start/Programme/Spiele/Minesweeper, schon ist man dort – so harmlos und einfach, dass es selbst die Abgeordneten der CSU auf ihren Rechnern haben dürfen.

Durch logisches Denken gilt es in dem Spiel herauszufinden, hinter welchen Feldern Minen versteckt sind. Eine Stoppuhr stellt den Minensucher dabei vor die eigentliche Herausforderung: Sei schnell, ohne in Panik zu geraten. Möglichst fix müssen alle Felder aufgedeckt werden, hinter denen keine Minen verborgen sind, derweil die Minenfelder mit einem warnend wedelnden Wimpel markiert werden können. Wer cool ist, betreibt “Non-Flagging” und umgeht die Minen gekonnt ohne wehende Gedächtnisstütze. Felder, die vermint sind, machen bumm; unverminte Felder geben Auskunft, wie viele Minen sich in unmittelbarer Umgebung befinden. Wie im richtigen Leben also.

Verbotener Sweeper-Stolz

Die Minenfelder können in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen geräumt werden: Anfänger spielen auf einem acht mal acht Felder großem Terrain mit zehn Minen, Fortgeschrittene müssen vierzig Minen auf einem vier mal größeren Spielfeld finden, Profis wagen sich auf einen Todessektor mit 16 mal dreißig Feldern, wo hochexplosive 99 Sprengfallen darauf warten, fahrlässig aktiviert zu werden.

Wie bereits erwähnt, das Beginnerfeld löse ich in sechs Sekunden. Fortgeschritten in 27 Sekunden, den Profi-Modus in 84 Sekunden. Das ist gut. Ziemlich gut. Im Vergleich zur Welt-Elite gar nicht mal schlecht. Andererseits doch schlecht. Denn: Darf man stolz darauf sein, Minesweeper zu können?

Nein, darf man nicht. Wer Minesweeper kann, ist doof. Wer in der offiziellen Minesweeper-Bestenliste steht, bemitleidenswert. Computerspiele werden gespielt, weil sie Spaß machen. Minesweeper macht keinen Spaß. Das spielt man, wenn man mit seinem Leben längst abgeschlossen hat. Je minesweeper, desto Pickel und Karohemd. Wirst du eine Sekunde schneller, nimmst du zwei Kilo zu und verlierst drei Freunde. So läuft das, wenn man am PC trainiert und sich vom Windows-Zeitklo in Beschlag nehmen lässt.

Damals, als ich noch Freunde hatte, schauten die mir immer ungläubig über die Schulter, wenn ich rasend Minen räumte. “Das hast du jetzt aber erraten! Das war Glück, das konntest du gar nicht wissen!” Nix Glück, sondern Skill. Irgendwann erreicht man den Punkt, an dem man in die Tiefen der Minesweeper-Matrix eintaucht. Das System durchschaut. Die bedrohliche Aura der Minen im rechten Zeigefinger spürt, wenn man nur ganz sacht mit der Mouse über die Felder fährt. Nur bringen tut’s rein gar nix. Einer sinnfreieren Zeitverschwendung kann man wohl kaum fröhnen.

Für alle, die noch nicht in der Matrix sind, ihr Leben aber trotzdem sinnlos vor dem Rechner versaubeuteln wollen – hier ein nützlicher Cheat: Alle Programme schließen, Minesweeper öffnen. Dann die Buchstabenfolge “xyzzy” auf der Tastatur eingeben und Shift gedrückt halten, bis oben rechts am Bildschirm der Pixel in der Ecke weiß wird. Für Spieler mit weißen Desktop-Bildern ist dieser Cheat nicht ganz so hilfreich, noch weißer kann der Pixel ja schlecht werden. Für die anderen dient der weiße Pixel aber als Minenfrühwarnsystem: Fährt man mit der Mouse über ein vermintes Feld, dann verschwindet der weiße Pixel. So lassen sich die verbliebenen Nerd-Freunde auch ohne jahrelanges Training beeindrucken.

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