Gezockt: Battleforge
// 24. April 2009 // Reviews
Freunde aktionsgeladener Strategie, aufgemerkt: Das Sammelkarten-Echtzeitstragegie-Gemisch “Battleforge” mischt das Genre ordentlich auf – und sieht dabei auch noch verdammt gut aus. Lord Gimp hat Kabumm-Brüder, Nekrobestien und Grimmranken aufeinander gehetzt.
Kennt noch jemand Etherlords? Ein russisches Rundenstrategiespiel, dass auf der Spielmechanik von Sammelkartenspielen à la “Magic – The Gathering” beruhte. Für mich ist das bis heute die beste Umsetzung des “Magic”-Prinzips, weil man seine Figuren nur während der Duelle mit Zaubersprüchen aufwerten konnte, Mana erst ansammeln musste und so die taktischen Elemente des Kartenspiels in dem Computerspiel sehr gut zur Geltung kamen. Der Playstationtitel “Eye of the Judgement” war zwar technisch ganz lustig, weil er echte Karten mit der Eyetoy-Kamera auf den Bildschirm zauberte, aber das 3×3 Felder große Spielfeld erinnerte dann doch eher an TicTacToe. Und nun: “Battleforge”.
Qual der Wahl
“Instant Action” heißt das Motto, das sich Entwickler Phenomic (”Spellforce”) auf das Banner geschrieben hat. Und die Abkehr vom alten Echtzeitstrategie-Gehabe mit Basenbau, Einheitenrekrutierung und mühsamem Micro-Upgrading der Armee bläst tatsächlich frischen Wind ins Genre. Wenn man bei anderen Spielen gerade mal die Grundfestung errichtet hat, sind bei Battleforge die entscheidenden Schlachten bereits geschlagen.
Bevor es los geht stellt sich der Spieler ein 20er-Kartenset aus vier Basiskartensets zusammen. Dabei hat er die Wahl zwischen Feuer (offensiv), Frost (defensiv), Natur (regenerativ) und Schatten (tja, irgendwie nekro mit vielen Flüchen). Vom Fleck weg werden dann die Kreaturen durch Ausspielen der Karten auf den Schirm gezaubert. Begrenzt wird der Ausbau der Armee nur durch den Energiefluss, der mit der Eroberung von weiteren Brunnen gesteigert wird, sowie durch so genannte Sphären-Monumente. Hält der Spieler nur ein solches Monument, kann er auch nur Karten der ersten Kategorie spielen, mit jedem weiteren werden die höherwertigeren Karten freigeschaltet. Erst mit vier Monumenten einer Farbe kommen die wirklich beeindruckenden Monster, Gebäude und bildschirmfüllenden Zaubersprüche zum Einsatz.
Ich will hier gar nicht allzu sehr ins Detail gehen, deshalb nur mal ein paar Dinge, die “Battleforge” richtig gut macht:
Instant Action bedeutet pausenlose Action: in keinem anderen Echtzeitstrategie-Spiel geht es so unkompliziert und schnell zur Sache, was dem Spiel eine enorme Dynamik verleiht.
Die Einheiten sind durch die Bank wirklich sehr fantasievoll gestaltet und grandios animiert. Und das gilt für die kleinsten Skelett-Krieger genau so wie für Mega-Drachen der Stufe vier. Schade nur, dass es nicht noch mehr so lustige Zaubereien gibt wie den Fluch des Grunzens, der Gegner in kleine, harmlose Schweine verwandelt.
Selbst hartnäckige Einzelspieler wie ich werden schon nach drei, vier Maps direkt in den Mehrspielermodus gezogen. Zunächst in kooperativen Missionen, später auch in den Wettstreit. Erwähnenswert ist auch, dass bei den Koop-Spielen die Auswahl der richtigen Sets eine Rolle spielt: In einem frühen Level müssen etwa zwei Spieler im Westen der Karte eher defensiv ausgerichtet agieren, während die beiden Spieler im Osten offensive Aufträge erhalten.
Ein weiteres Higlight der ohnehin gelungenen Präsentation ist die Schmiede. Auf dem Hauptscreen außerhalb der Missionen kann der Spieler jederzeit seine Karten ausspielen und gegen Sparrings-Einheiten antreten lassen und so in Ruhe mögliche Kombinationen erproben.
Last, but not least: “Battleforge” wird immer besser, je länger man sich mit den zur Verfügung stehenden Karten beschäftigt. Einheiten können mit Zusatzkarten aufgerüstet werden. Und wenn man die Karten aufeinander abstimmt, hält man bald nur noch seine liebgewonnenen Favoriten in der Hand.
Die Story ist gaga
Ein paar Wermutstropfen gibt es natürlich auch: So sind die Kämpfe, gerade wenn mehrere Parteien zu Gange sind (möglich sind bis zu zwölf Spieler im Koop-Modus), oft etwas unübersichtlich. Dann ist es kaum noch möglich, einzelne Spezialfähigkeiten der Einheiten zu aktivieren. Die Story ist Fantasy-Gaga der schlimmsten Sorte und wird nur in einem unhandlichen Kompendium zum durchblättern dargeboten. Und dann ist da noch das Sammelkartenbezahlmodell. Zwar verfügt der Spieler nach Investition seiner 3000 Battleforge-Punkte über einen recht ansehnlichen Kartenstapel, der zunächst auch ohne weitere Ausgaben für Chancengleichheit auf den Schlachtfeldern sorgt. Doch wer weiß, ob die Ausgewogenheit auch in Zukunft so bleibt. Und ein Booster-Pack mit acht virtuellen Karten schlägt mit teuren 2,50 Euro zu Buche. Mit der integrierten Tauschbörse als Alternative lassen sich teure Zukäufe aber auch umgehen.
Insgesamt ist “Battleforge” ein rundum gelungener Strategie-Mix, der mit seinen Quickies (kaum ein Level dauert länger als 45 Minuten) für Abwechslung im Genre sorgt. Die Präsentation ist über jeden Zweifel erhaben. Und letztendlich: auch ohne Zukauf von Karten kann man sich hier stundenlang austoben. Zweifelnden Echtzeitstrategie-Puristen sei aber zunächst die aussagekräftige Demo ans Herz gelegt.
“Battleforge”, PC, ab 12 Jahren, ca. 50 Euro, auch über Steam erhältlich.




