Lizenz zum Verbocken
// 18. Mai 2009 // Allgemeines
Mit quietschenden Schritten stapft es auf uns zu, das Lizenzspiel zu “Terminator: Salvation”. Doch bevor sich Cola-Automaten, Bügeleisen und Mähdrescher zum finalen Kampf gegen uns Menschlein zusammenschließen, bleibt noch etwas Zeit. Zeit, einen Blick auf ein paar High- und Lowlights der Lizenzspiel-Geschichte zu werfen.
E.T.
Erst gewann er die Herzen aller Filmfans, dann stürzte er einen ganzen Unterhaltungselektronik-Konzern in die Pleite. “E.T.” gilt als das schlechteste Computerspiel, das je produziert wurde. Mit Recht. 1982 veröffentlicht Atari für seine Konsole VCS 2600 das Lizenzspiel zu Steven Spielbergs oskarprämiertem Kinohit. Der Programmierer Howard Scott Warshaw bekommt gerade einmal fünf Wochen Zeit, um das Spiel zu entwickeln. Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft wird der Markt schließlich mit fünf Millionen Videospielen überschwemmt. Nur kaufen will “E.T.” niemand. Und die meisten Kinder, die das Pleitegame unter dem Weihnachtsbaum finden, schicken es kurz darauf zusammen mit einem Beschwerdebrief an Atari Inc. zurück. Denn auf dem Monitor ist nicht viel von dem Knuddel-Alien zu erkennen. Stattdessen bewegt sich ein grüner Klops durch eine grüne Landschaft und sammelt dunkelgrüne Punkte ein. Ab und an fällt der Klops in einen Graben, wo er Bauteile eines Telefons findet. Dann fliegt er wieder hinaus, um anschließend nach Hause zu telefonieren. Niemand versteht den Sinn von “E.T.” Als Folge dieses Produktionsdesasters buddeln Mitarbeiter von Atari in einer Nacht- und Nebelaktion in der Wüste von New Mexico ein großes Loch und verscharren dort alle Videospielkassetten, die nicht verkauft wurden. “E.T.” wird oft mit dem großen Videospielcrash von 1983 in Verbindung gebracht.
Terminator 3 – Rebellion der Maschinen
Mit “Terminator 3 – Rebellion der Maschinen” krönte Atari die Rohrkrepierer-Reihe von Terminator-Lizenzspielen. Wer sich auf ein grafisch vollendetes Endzeitszenario mit Hochglanzprotagonisten gefreut hatte, sah sich 2003 vom Playstation-2-kompatiblen Endprodukt bitter enttäuscht. Denn das versprochene “apokalyptischen Abenteuer” erwies sich zu dieser Zeit eher als albtraumartiges Allerlei aus Pixelgrieß. Denn ob man gerade auf einen Zyklonen von Kampfstern Galactica, einen Terminator oder Twiki von Buck Rogers feuerte, blieb der Fantasie überlassen. Als dann die animierte Version Kristanna Lokens nicht von Melanie Griffith zu unterscheiden war, hatte Atari auch den letzten Kredit verspielt. “Terminator 3″ – nicht nur für Maschinen Grund zu rebellieren.
Golden Eye
“Golden Eye” ist mit weltweit über acht Millionen verkauften Exemplaren einer der Topseller auf dem Nintendo 64. Story und Gameplay sind so gut miteinander verzahnt, dass sich der Shooter zum Kultspiel entwickelt hat. Aufträge, die im Spiel weiter gehen als im Film, Hauptdarsteller, die man auch als solche erkennen kann, Filmszenen, die in ihrer zerstörerischen Gänze nachgespielt werden können. So etwa die Panzer-Sequenz, in der Pierce Brosnan halb Moskau planiert. Hinzu kommt ein hervorragender Multiplayermodus und eine revolutionäre Steuerung – für damalige Verhältnisse. All das macht Golden Eye zu einem actiongeladenen Höhepunkt einer an vergleichbaren Spielen schwachen Konsole. Allerdings ist die virtuelle Adaption im Gegensatz zum Film auf dem deutschen Markt indiziert. Die Lizenz zum Töten wird in der dreidimensionalen Pixelwelt wohl zu deutlich.
Enter the Matrix
Nach all den schwachen Spieladaptionen zu noch schwächeren Kinofilmen weist schließlich “Enter the Matrix” den Weg für die künftige Zusammenarbeit zwischen der Unterhaltungselektronik-Branche und Hollywood. Im Jahr 2003 investiert Atari gemeinsam mit dem Entwickler Shiny Entertainments erneut in ein Lizenzspiel. Aber diesmal feiert das Unternehmen einen Riesenerfolg. Mit viel Zeit und noch mehr Budget (rund fünfzig Millionen Dollar) feilt der Konzern an einer der aufwändigsten Spielproduktionen aller Zeiten. Das Actiongame “Enter the Matrix” soll kein Trittbrett sein, das auf der Erfolgswelle des Kinoknüllers mitschwimmen soll. Das Spiel ist eng verzahnt mit “Matrix Reloaded” und enthält insgesamt eine Stunde kinoreife Zwischensequenzen, die eigens von den Schöpfern der “Matrix”-Trilogie geschrieben und mit den Original-Schauspielern wie Keanu Reeves, Carrie-Anne Moss und Monica Bellucci gedreht wurden. Mit seiner dichten Kinoatmosphäre ist das Lizenzspiel das Bindeglied zwischen “Matrix Reloaded” und “Matrix Revolutions” – ohne das Spiel würden die Filme keinen großen Sinn machen. Sogar Zocker, die gerne mal schummeln, bleiben fest im Matrix-Kontinuum integriert: Wer cheaten will, muss sich mit einigen grundlegenden EDV-Kenntnissen durch Dateien und Verzeichnisse hacken und kleine Rätsel lösen, um schließlich Videoclips und zusätzliche Waffen frei zu schalten. Das Spiel leidet unter einigen Bugs und groben Grafikschwächen und wird deshalb nie zu den ganz großen Spielen zählen. Auf dem Gebiet der Lizenzspiele jedoch ist “Enter the Matrix” ungeschlagen.



