Race Driver Grid: Verbeult und happy

// 6. Juni 2008 // Reviews

Race Driver GridDie Dichte in der Spitze wird immer breiter – das wusste schon der Olympionike Walther Tröger. Auch im Markt der Rennsimulationen rücken die Konkurrenten immer näher zusammen. Erst kürzlich erschien das hoch gelobte “Gran Turismo 5: Prologue”, jetzt kommt “Race Driver Grid” in die Verkaufsregale. Kann “Grid” neue Maßstäbe setzen? Wir haben die PC-Version getestet.

Das Bremsmanöver kommt zu spät. Mit voller Wucht kracht mein Ford Mustang in die Leitplanke. Ups, da segelt der Kotflügel. Auch die Lenkung hat’s bei dem Crash böse erwischt. Beim nächsten Beschleunigen zieht der Wagen merklich nach rechts und kommt der anderen Leitplanke gefährlich nahe. Völlig hoffnungslos, das weit enteilte Fahrerfeld mit einer solchen Schrottkarre einzuholen. Instinktiv sucht mein linker Zeigefinder die “Escape”-Taste, wandert weiter zu “F2″ und spult zurück. Diesmal fahre ich die schwierige Kurve mit halbem Gas. Und schaffe sie ohne einen Kratzer an der Stoßstange.

Die Rückspul-Funktion ist eines der nützlichsten Features in “Race Driver Grid”. Eigene Fahrfehler ungeschehen zu machen, ohne gleich das ganze Rennen neu starten zu müssen, ist sehr bequem – und bei den anspruchsvollen Kursen von “Grid” auch bitter nötig. Das Spiel tischt uns davon Dutzende auf: Verwinkelte Stadtkurse, Formel-1-Strecken, Drift-Schlachten auf Industriebrachen, Downhill-Rennen und noch viel mehr – “Grid”-Entwickler Codemasters lässt sich nicht bitten. Im Vorbeirauschen erhascht man am Streckenrand Unmengen von Details, erlebt spektakuläre Lichteffekte und wird vom Jubel tausender animierter Zuschauer nach vorne gepeitscht. Aus dem Cockpit heraus wirkt die gesamte Szenerie schon enorm real.

Teamwork

Race Driver GridDer Spieler kann zwischen drei Karrieren – in Europa, Japan und den USA – beliebig hin- und herwechseln. Die ersten Rennen absolviert man als Gastfahrer für fremde Teams. Mit den Geldprämien für Podestplätze kann man sich neue Autos kaufen. Die Ansehenspunkte für vordere Platzierungen dienen dazu, neue Rennstrecken frei zu schalten. Wenn die ersten Sporen verdient sind, kann der Spieler einen eigenen Rennstall gründen, weitere Team-Mitglieder verpflichten und Sponsoren-Verträge abschließen. Ziel ist, das eigene Team an die Spitze der Weltrangliste zu führen.

Doch bis dahin ist es ein harter Weg. “Race Driver Grid” verfügt über ein ausgeklügeltes Schadensmodell, sprich: Die Autos gehen geradezu genüsslich kaputt. Ob Getriebe, Aufhängung, Lenkung, Motor oder Räder – jedes noch so kraftstrotzende Muscle Car ist anfällig für Verletzungen. Und die können nur durch Rückspulen geheilt werden. Denn die “Grid”-Rennstrecken haben keine Boxengassen, wo man schnell die verbeulte Karre mal runderneuern könnte. Rückspul-Freunde aufgepasst: Die Anzahl möglicher Wiederholungen ist begrenzt und wird mit steigendem Schwierigkeitsgrad immer geringer.

Pirouetten im Kies

Zum knackigen Schwierigkeitsgrad von “Grid” trägt auch die aggressive KI der Computer-Fahrer bei: Häufig wird man in Kamikaze-Manier gerammt und landet Pirouetten drehend im Kiesbett. Massenkarambolagen schicken uns regelmäßig bis ans Ende des geschwindigkeitshungrigen Fahrerfeldes. Im fortgeschrittenen Karriere-Modus sitzen die Verfolger dem Spieler permanent im Nacken und nutzen jeden Fahrfehler gnadenlos aus. Unter wohligen Adrenalinschüben jagt er durch dicke Rauchschwaden und grelles Gegenlicht, während verbranntes Reifengummi über die Windschutzscheibe zischt.

Race Driver GridEin besonderes Schmankerl sind die in Japan stattfindenden Drift-Rennen. Hier wird per Handbremse nach Herzenslust um die Kurven gerutscht – die besten Drift-Kombos ernten die meisten Punkte. Bei den berüchtigten Downhill-Drifts am Mount Haruna muss man auch noch mit Gegenverkehr fertig werden. Das alles gibt’s übrigens auch im Multiplayer-Modus. Kleines Manko: Bis man die richtigen Einstellungen für Lenkrad, Gamepad oder Tastatur gefunden hat, vergeht einfach zu viel Zeit. Hier hätte Codemasters die Konfiguration einfacher gestalten können, zumal es keine automatische Lenkrad-Erkennung gibt.

Fazit: “Race Driver Grid” konzentriert sich voll auf das Asphalt-Erlebnis – und fährt mit seiner Mischung aus Simulation und Arcade-Action sehr gut. Die insgesamt 44 Autos lassen sich nicht modifizieren, Tuning-Orgien wie bei Need for Speed gibt es also keine. Auch eine romantische Rennfahrer-Story mit malerischen Cut Scenes wie in den Vorgängern sucht man vergebens. Stattdessen begrüßt uns eine kühle, aber nicht unfreundliche Frauenstimme in unserer Licht durchfluteten Werkstatt, wenn wir mal wieder mit leeren Händen aus einem beinharten Wettkampf heimwärts taumeln. A propos hart: In “Grid” lässt sich das legendäre 24-Stunden-Rennen von Le Mans in Echtzeit nachspielen – ein Feature nur für eingefleischte Dauerraser. Lieber sollte man seine Zeit in die vielen abwechslungsreichen Strecken investieren, die “Grid” zu bieten hat.

Die Website zum Spiel

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