Resistance 2: Die Invasion geht weiter

// 28. November 2008 // Reviews

Resistance 2Als die Playstation 3 Ende 2006 auf den Markt kam, war “Resistance: Fall of Man” der erste Shooter für die neue Highend-Konsole. Trotz bester technischer Voraussetzungen gelang es dem Spiel nicht, aus der Masse ähnlicher Titel herauszustechen. Nun will es “Resistance 2″ besser machen – und lässt die Chimären auf Amerika los.

Die San Francisco Bay steht in Flammen. Riesige Raumschiffe verdunkeln den Himmel, Schwärme von Jagdbombern ziehen ihre Kreise und legen Skyline und Golden Gate Bridge in Schutt und Asche. Die Außerirdischen, so scheint es, haben gesiegt – nach Russland und Europa haben sie nun auch die USA überrannt. Wir schreiben den 15. Mai 1953.

Resistance 2Am anderen Ende der Frisco Bay steht Sergeant Nathan Hale und betrachtet das Schauspiel, das sich ihm bietet. Hale hat in Großbritannien gegen die Invasion der Chimären gekämpft. Die Aliens schleppten ein Virus ein, das die meisten Menschen zu Monstern mutieren ließ. Auch Hale wurde infiziert, doch wie durch ein Wunder kam das Virus bei ihm nicht völlig zum Ausbruch, sondern ließ seinen Körper stärker und widerstandsfähiger werden. Selbst halb Chimäre, stellt er sich nun mit seiner Elite-Truppe, den Sentinels, der übermächtigen Alien-Streitkraft entgegen.

Ruckelfreie Massenszenen

Die Invasion der Frisco Bay zählt zu den vielen grafisch überwältigenden Momenten in “Resistance 2″. Schon in der Eingangssequenz setzt Entwickler Insomniac Games ganz auf die Macht der Bilder: Eine Forschungsbasis in Island wird von turmhohen “Goliath”-Kampfrobotern attackiert, und während Hale den Giganten per Raketenwerfer zusetzt, bekommen wir bereits eine Ahnung von den Möglichkeiten der potenten Grafikengine: hochdetaillierte, ruckelfreie Massenszenen, bei denen die Kinnlade willig herunterklappt. In Nathans Haut hasten wir von Level zu Level, ballern uns durch massive Angriffswellen der Chimären und nehmen es mit jedem noch so übermächtig scheinenden Endgegner auf.

Wenn Insomniac an etwas nicht gespart hat, dann ist es gewiss die Grafik. Anders sieht es da schon mit dem Drehbuch aus. Die Handlung kommt schleppend in die Gänge, und hätten wir nicht den Vorgänger “Fall of Man” gespielt, wüssten wir wohl kaum, welche Vorgeschichte Nathan Hale eigentlich hat. Die Sentinel-Kollegen bleiben seltsam blass, obwohl sie stundenlang an Nathans Seite kämpfen; es sind völlig austauschbare Figuren ohne eigenen Charakter. Das ist umso enttäuschender, weil spätestens seit “Half-Life 2″ klar ist, wie digitalen Figuren Leben einhaucht werden kann – man denke nur an Alyx Vance und ihren Roboter Dog. Obwohl in “Resistance 2″ das Überleben der Menschheit auf dem Spiel steht, verhalten sich die Hauptpersonen ungefähr so emotional wie Finanzbeamte bei der Erstdurchsicht einer Steuererklärung. Nathan Hale, der doch eigentlich mit dem Chimären-Virus ringt und dringend ein Gegengift benötigt, joggt durch die Level wie ein frisch verjüngter Wellness-Papst.

Schmale Story

Die fantastischen Effekte, die “Resistance 2″ in Hülle und Fülle bietet, verkommen angesichts der schmalen Story stellenweise zur Technik-Leistungsschau. Natürlich macht es Spaß, durch einen überfluteten Keller zu waten und zu sehen, wie sich auf der Wasseroberfläche leichte Wellen ausbreiten, die sich dann physikalisch korrekt an den umliegenden Kanten brechen. Und natürlich ist die Szene auf dem Verteidigungsturm hervorragend inszeniert: Wir haben uns gerade mühsam bis auf die oberste Plattform vorgekämpft, als ein unangenehmes Rasseln und Zischen die Luft erfüllt. Unwillkürlich blicken wir nach oben und sehen ein gigantisches wurmartiges Insekt, der sich um die Spitze des Turms windet. Selten hat man ein so glaubwürdig animiertes Computerspielmonster gesehen.

Resistance 2Grafik und Inhalt finden in “Resistance 2″ erst spät zu einer starken Einheit. Wobei auch die Grafik nicht gegen Fehler immun ist: Gerade die Innenareale – Lagerhallen, Tunnelsysteme, Raumschiffe, Abwasserkanäle – bieten oft erstaunlich verwaschene Texturen, die eines PS3-Titels unwürdig sind. Offensichtlich haben sich die Grafikprogrammierer nur an ganz bestimmten Punkten Mühe gegeben. Das Gleiche gilt fürs Level-Design: beeindruckende Architektur, tolle Lichteffekte, aber kaum Gegenstände, die dem neugierigen Spieler Interaktionsmöglichkeiten bieten. Rätsel gibt es keine, stattdessen wird der Spieler wie auf Schienen durch die Level geschleust – fairerweise muss man dazusagen, dass nur die allerwenigsten Shooter echte Wahlmöglichkeiten bieten. Immerhin erfordern die Kämpfe ein gewisses strategisches Geschick, zumal Nathan nur zwei Waffen tragen kann – und die wollen gut gewählt sein. Bei den Monstern gibt sich Insomniac keine Blöße – von der harmlosen Assel bis zum 50-Meter-Kraken ist alles dabei.

Fazit: “Resistance 2″ nutzt das Rechenpotenzial der Playstation 3 so richtig. Die Handlung kommt schleppend in Gang, weiß dann aber immer mehr zu fesseln. Atmosphärisch macht der Insomniac-Shooter einiges her, nicht zuletzt wegen des packenden Soundtracks und der stimmigen Synchronisierung. “Resistance 2″ toppt “Fall of Man” in nahezu allen Bereichen, erfindet aber das Shooter-Rad nicht neu. Die Singleplayer-Kampagne bietet rund zwölf Stunden gute Unterhaltung, ein Kauf des Spiels lohnt sich aber vor allem für Multiplayer-Fans, die sich über Koop-Gefechte und Schlachten mit 60 Duellanten freuen können. (Von Lord Akim)

Die Website zum Spiel

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