Spiele-Klassiker: It came from the Desert
// 18. Juli 2009 // Klassiker
1989 schenkte uns die Kult-Spieleschmiede Cinemaware ein Spiel, das in B-Horror-Movie-Untiefen schwelgte: “It came from the Desert” ließ uns gegen mutierte Riesenameisen kämpfen. Spielerherz (mit Hang zum Trash), was willst du mehr?
Manche Computerspiele spielt man am besten allein und spät in der Nacht. Das gilt in erster Linie für Spiele, die einem das Fürchten lehren wollen. Eines der ersten Spiele, dem das bei mir gelang, war (hier bitte den nervenzerfetzenden Dusch-Szenen-Sound aus Psycho hinzudenken) “It came from the Desert” von Cinemaware. Jenes Games-Studio, das ab Mitte der Achtziger Jahre das Kino ins Spiel brachte. Ihr großer Hit war “Defender of the Crown”, ein Strategiespiel, das die Mantel- und Degenfilme mit einer für damalige Verhältnisse atemberaubenden Grafik in Szene setzte. Mir aber gefiel “It came from the Desert”, das 1989 auf dem Amiga debütierte, viel besser.
Das Vorbild des Spiels ist der 50er-Jahre B-Horror-Movie “Them!” (deutsch: “Formicula”), in dem nach geheimen Atomwaffentests mutierte Riesenameisen einer Kleinstadt in New Mexico zusetzen. Allein die Idee ein derartig abgefahrenes Szenario als Computerspiel umzusetzen, war Ende der 80er noch revolutionär. Und die Umsetzung einfach brillant.
Klischees en masse
Die Macher waren Meister darin, sämtliche Klischees des “Bug-Movies” für “It came from the Desert” zu adaptieren. Und eigentlich fehlte nur, dass das Spiel in Schwarz-Weiß gehalten war. Der Spieler war der Neue in dem Kaff Lizard Breath, “wo die Witze schlechter sind als der Kaffee”. Ein Geologe, der den mysteriösen Vorfällen (Stichwort: kopflose Kuh) nach dem Einschlag eines Meteoriten auf den Grund ging. Die Ursache war schnell ausgemacht, denn schon an der nächsten Straßenecke warteten gigantische Ameisen im Dutzend, denen der Held, mit Pistole oder Dynamit-Stangen bewaffnet, entgegentrat.
Entweder ging es aus der Vogelperspektive zur Sache oder man trat einem einzelnen Insekt in der Ego-Perspektive von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Dann galt es, die Fühler des Monsters mit gezielten Schüssen abzutreffen, während der Sound-Chip des Amiga sein Letztes gab um mich mit düsteren und vor allem schrägen Moll-Klängen in Gänsehaut-Stimmung zu versetzen.
Auf einer Karte der Stadt konnte man den Helden an alle mögliche Orte schicken: in den Pub, zu einem Labor, zur Presse oder dem Bürgermeister oder auf die umliegenden Farmen. Sogar ein Autokino war vor Ort, wo man regelmäßig auf die Halbstarken traf. Natürlich ging das nicht ohne Messerstecherei oder Hasenfuß-Rennen ab. Ein anderes Minispiel konnte einem den letzten Nerv rauben. Wurde unser Held verletzt, landete er im örtlichen Krankenhaus, wo er das Weite suchen musste. Doch das war leichter gesagt als getan. Dutzende Krankenschwester und Ärzte machten Jagd auf den langsam vor sich hinhumpelnden Patienten.
Mutig ins Ameisennest
In Multiple-Choice-Dialogen konnte man den anderen Charakteren, vom tumben Farmer bis zum Polizeichef, Informationen entlocken oder Aufträge geben. Alles, um schließlich innerhalb von 15 Tagen genug Beweise zu finden, die den Bürgermeister schließlich überzeugten, die Armee einzuschalten. Richtig mulmig wurde es, wenn man schließlich ganz allein und nur mit einem Flammenwerfer bewaffnet in einer verlassenen Mine auf das Nest der Ameisen und die Königin stieß. Und ehrlich gesagt, ich weiß nicht mehr, ob ich sie jemals besiegt habe. “It came from the Desert” war ganz großes Kino von Cinemaware. Wie wäre es mit einem Remake zum Zwanzigsten?
Download: It came from the desert



