Games-Klassiker: StarCraft – die Königin der Echtzeitstrategie

// 4. Mai 2009 // Klassiker

StarCraftEr hat mich nicht gesehen! Still und heimlich schwebt mein Transportschiff am äußersten Kartenrand an der gegnerischen Verteidigung vorbei. Zum Glück hat mein Gegner noch keine Aufklärungstürme gebaut. So kann ich ungesehen meine drei Schattenkrieger ausladen – die todbringenden Dark Templar. Was nun folgt ist eine wahre Freude – zumindest für mich. In aller Ruhe zerlegen meine Kämpfer die Arbeiter des Gegners. Vom Couchtisch gegenüber dringen wüste Beschimpfungen zu mir herüber und lassen ein unverholen schadenfrohes Grinsen auf meinem Gesicht entstehen. StarCraft ist ein großartiges Spiel – besonders, wenn man es gegen seine Freunde zockt.

Wie in den großen Vorgängern Command & Conquer und Warcraft 2 (beide 1995) – quasi die Urväter der Echtzeitstrategie – geht es auch bei “StarCraft” darum, Ressourcen zu ernten, Gebäude und Einheiten zu bauen und dem Gegner auf die Mütze zu hauen. Egal ob als kaltschnäuziger Terraner, schleimiger Zerg oder hightech-gerüsteter Protoss – alle drei Völker spielen sich völlig unterschiedlich.

Drei Völker, unzählige Taktiken

Protoss-Einheiten sind sehr teuer, hauten dafür aber rein wie Seuche. Als Zerg kann man schnell viele Mineralien abernten und somit wahre Horden von stacheligen Kreaturen heranzüchten. Die Terraner sind wahre Meister der Verteidigung und können sich in ihren Basen mit Raketentürmen und Bunkeranlagen einigeln – was ganz nebenbei auch ihr größter Nachteil ist, weil man beim Aufbau der Verteidigung öfters die eigenen Angriffsbemühungen vergisst. Immer wieder lassen sich neue Taktiken und entsprechende Abwehrmaßnahmen finden. Die Balance zwischen den Völkern wurde vom Entwicklerstudio Blizzard in etlichen Patches immer feiner ausjustiert.

Schon der Einzelspielmodus war wegen der stimmig angelegten Story (die zugegeben zum Ende hin etwas zerfaserte) eine wahre Freude. Doch seinen Suchtfaktor bekam das Spiel erst durch die Möglichkeit, es gegen andere Menschen zu spielen. In Zeiten, in denen Flatrate-Internetanschlüsse noch nicht die Regel waren, geschah das zumeist auf Netzwerk-Sessions. Hatte ich erstmal meinen klobigen 17 Zoll-Monitor samt Rechner zu einem Freund gekarrt, konnte es losgehen. Ich kenne kein Spiel, das so zuverlässig lief wie StarCraft. Auch auf den ältesten und störungsanfälligsten PCs musste nur das Netzwerkkabel eingesteckt werden und los ging es.

…und nach dem Schlachten noch das Replay

StarCraft-Spiele gegen Freunde waren immer emotional. Nach einer gewonnenen Schlacht produzierte mein Körper die Endorphine kübelweise. Der bezwungene Gegner war Beweis dafür, dass meine Taktik besser, mein strategisches Können größer war. Bei Niederlagen hingegen hatte ich stets das Gefühl, wahlweise in meinen Bildschirm oder in das Siegerlächeln meiner Gegner schlagen zu wollen. Kollektiv versammelte man sich nach so einem Spiel vor dem größten Bildschirm und schaute sich noch einmal das Gemetzel in der Wiederholung an, diskutierte über die verwendeten Strategien und überlegte, wie man diese noch verfeinern könnte.

Tatsächlich ist die Frage berechtigt, ob StarCraft als “Klassiker” gelten kann – schließlich wird es immer noch von Millionen Usern weltweit übers Internet gespielt. In Südkorea hat es sogar den Rang eines Nationalsports: Große Turniere werden im Fernsehen übertragen und den Gewinnern winken mehrere Tausend Euro Preisgeld. Diese ungebrochene Popularität kann einen vergessen lassen, dass StarCraft schon gute zehn Jahre alt ist und auf einem Pentium 90 mit 16 Megabyte RAM lief. Wenn Stalker- und Crysis- verwöhnte Augen die grobpixelige Auflösung von 640×480 wahrnehmen, trifft ein leichter Schmerz die Netzhaut. Man kann also durchaus von einem leicht antiquierten Charme sprechen. Nichts desto trotz: Auch wenn der Nachfolger StarCraft 2 in Kürze veröffentlicht werden soll, ich werde Fan vom ersten Teil bleiben! (Von Moritz Leetz)

Die Website zum Spiel

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